Pausenhof

25. Oktober 2017: Spatenstich

15. Oktober 2018: Einweihung

Der Anspruch, welcher heute an die kreative Schulhofgestaltung unserer Schulen gestellt wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten gravierend geändert. Handelte es sich früher bei den Freiflächen um unstrukturierte, befestigte Plätze, die von den Schülern während der Pausenzeiten aufgesucht wurden und deren Nutzung durch Reglementierungen geprägt waren, so ist heute jede Schule bemüht, attraktive, bewegungsfördernde und vielseitige Angebote auf dem Schulhof zu bieten.

Die Veränderung der Lebensumstände unserer Kinder und Jugendlichen hat neue Bedürfnisse geschaffen, die bei der Schulhofgestaltung Berücksichtigung finden müssen.

Körperliche Betätigungen sind seltener geworden, stundenlanges Sitzen hat stark zugenommen, politisch gewollte und geförderte Ganztagesbetreuung fordert kreative Freizeitangebote und sinnvolle Pausenbeschäftigungen. Pausenhöfe müssen sowohl aktive als auch passive Zonen aufweisen, pädagogische Aktivitäten müssen realisierbar sein.

Bei ausreichend großen Freiflächen wird die Attraktivität des Schulgeländes durch kreative Bodenmodellierungen erheblich erhöht. Eine wesentliche Ursache für Verletzungen auf Schulhöfen liegt in der Laufgeschwindigkeit von Kindern. Gewöhnlich gestaltete Schulhöfe verleiten zu ziellosem Herumlaufen, da es nichts gibt, was Kinder zum Verweilen anregt. Bei der Neugestaltung des neuen Pausenhofes wurde das Augenmerk auf eine natürliche Geländeausformung gelegt. Zentrales Gestaltungs- und Spielelement ist der große Hügel, welcher durch seine charakteristische Gestaltung kleinräumige Spiel- und Erlebnisbereiche bietet. Die den Hügel durchquerenden Röhren bieten dabei sowohl einen Rückzugsort als auch einen Erlebnisbereich.

  • Bei der Schulhofgestaltung wurde beachtet, dass auch Schüler einer Grundschule Ruhezonen im Schulhofbereich benötigen.
  • Pausenflächen wurden kleinteilig gegliedert, um Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen. Ballspielareale und Laufflächen werden durch Bepflanzung oder andere Elemente abgetrennt. Die Anlage von zwei Atrien, das Aufstellen von Bänken, Sitzstämmen und Steinblöcken schafft vielfältige Sitz- oder Liegemöglichkeiten. Ein höhenversetzt angelegtes Holzplateau kombiniert Kletteraktionen mit Ruheflächen und wird auch von älteren Schülern frequentiert. 
  • Zwei große Röhren bieten sowohl Rückzugs- als auch Kommunikations-möglichkeiten.

Bei der Planung wurden

  • altersgerechtes und geschlechtsspezifisches Spiel- und Freizeitverhalten berücksichtigt.
  • die Schulhofflächen adressatengerecht strukturiert.
  • Bewegungsangebot und Rückzugsmöglichkeiten gleichermaßen eingeplant.
  • abwechslungsreiche Freizeiträume arrangiert, ohne sie zu pädagogisieren.
  • Raum und Strukturen für den Aufbau und die Pflege von Freundschaften geschaffen.
  • das Bedürfnis der Jugendlichen nach Geselligkeit und Autonomie in ihrer Freizeitgestaltung berücksichtigt.

Eine Freiluftklasse, die geschützt und schattig im Randbereich des Schulhofgeländes liegt, bietet eine Abwechslung im Unterrichtsverlauf und ergänzt das Konzept der neuen „Lernlandschaften“, das an der Schule umgesetzt wird.

Die Neuanlage des Verkehrserziehungsplatzes schafft durch dezente Geländemodellierung und Bepflanzung eine realitätsnahe Übungssituation für die Fahrradausbildung durch die Polizei. Für die Pausen selbst bietet sich der Platz sowohl an als „Flaniermeile“ als auch als Lauf- und Spielplatz.

Kinder und Jugendliche verlangen nach Herausforderungen, zu deren Entwicklung ein kalkulierbares Risiko gehört. Nur durch Erprobung des eigenen Könnens wächst Selbstbewusstsein. Schulen haben den pädagogischen Auftrag, für Gefahren zu sensibilisieren. Dies ist jedoch nicht möglich, wenn Schule als steriler Raum gesehen wird, der alle möglichen Herausforderungen von Schülern fernhält.

Aus falsch verstandener Fürsorge präsentierten in der Vergangenheit Erwachsene der nachwachsenden Generation häufig fertige Lösungen, zum Beispiel vorgefertigte Spielgeräte. Dort, wo Kinder und Jugendliche nicht mehr selbst aufbauend kreativ handeln können, bleibt ihnen zwangsläufig nur noch das destruktive Abbauen als Ausdruck ihrer eigenen Schaffenskraft. Zudem muss bedacht werden, dass vorgegebene Spielgeräte den Spieldrang von Kindern einengen und einseitig kanalisieren.

In Grafenwöhr wurden auf einzigartige Weise reale Erlebnisbereiche geschaffen. Statistiken beweisen, dass in naturnahem, nicht geteertem oder gepflastertem Gelände weniger oder gar keine Unfälle passieren.

Auf klar abgegrenzte Bereiche für Grund- und Mittelschüler wurde bewusst verzichtet. So wurden früher in solchen „Alters-Ghettos“ die Erstklässler in definierte Aufenthaltsbereiche verbannt, um sie vor „Angriffen“ der Großen zu schützen. Dabei wurde verkannt, dass Altersunterschiede nur in seltensten Fällen der Grund für Konflikte sind. Das Grundkonzept des gemeinsamen Miteinanders von Grund- und Mittelschülern im Gebäude wurde im Außenbereich konsequent fortgeführt.

Erste Planungen reichen zurück in das Jahr 2004. Im Februar 2005 wurden dem Stadtrat in der Aula erstmals Pläne und Vorüberlegungen von Schülern und Lehrkräften vorgestellt.

„Warum müssen wir Geld ausgeben, wenn sich die Kinder jeden Tag nur 15 Minuten auf dem Pausenhof aufhalten?“ – Diese über zehn Jahre alte – damals schon unsinnige und kinderfeindliche-  Argumentation hat der Einsicht Platz gemacht, den Schülern der Stadt eine Lernumgebung zu schaffen, welche Freude am Lernen und an der Bewegung bietet und sich an den aktuellen pädagogischen Erkenntnissen orientiert.

Die Schulleitung bedankt sich bei allen beteiligten Mandatsträgern für den Mut, diese zukunftsweisenden Entscheidung zu treffen und den Kindern ein weiteres Stück Lern- und Lebensqualität zu schenken. In Erfahrungsberichten von Pausenhofneubauten wird nachdrücklich eine intensive Zusammenarbeit von Planern, Entscheidungsträgern und Schule postuliert. Dies war in Grafenwöhr zu jeder Zeit vollumfänglich gegeben.

Die Nutzungsräume

  • Spiel,
  • Natur,
  • Kreativität
  • Ruhe

bilden einen Bereich, dem der Begriff „Pausenhof“ nicht mehr gerecht wird. Grundschule und Mittelschule Grafenwöhr sprechen daher in Zukunft von „ihrem“

Lern- und Lebensraum.

 

 Grafenwöhr, im Oktober 2018

Thomas Schmidt, R