Lernlandschaften

Der Raum als zusätzlicher Lehrer – Lernen in offenen Lernlandschaften

Noch vor 40 Jahren waren nahezu alle Schulgebäude äußerlich wie innerlich schnell als solche zu erkennen. Außen sah man gleichförmige Fensterreihen, innen ergaben sich daraus entsprechend gleichförmige Klassenzimmer an langen Fluren aufgereiht.Im Zimmer befand sich meist neben der Tür ein Waschbecken, an der Vorderseite eine Tafel, in der Ecke nahe dem Fenster ein  Pult mit Stuhl, von dem aus die Lehrkraft auf die hintereinander in Reihe sitzenden Schüler blickte. An den Wänden hingen vielleicht einige Schülerzeichnungen, selten mehr.

„Kinder müssen tätig sein können, etwas bewirken und Spuren hinterlassen dürfen, um sich ihres Wertes als eigenständige Individuen in der Gesellschaft zu vergewissern.“ (Felicitas Sprecher Mathieu, Schweizer Lehrerin, Baubiologin/Bauökologin; berät Schulraumplanung und Schulraumgestaltung).

In den meisten Schulhäusern war das eigenständige Einschlagen von Nägeln in die Wände oder das Anbringen von Halterungen usw. nur ungern gesehen, häufig ausdrücklich verboten. Der Unterricht verlief über Jahrhunderte in ähnlich klaren, für alle geltenden, monotonen Strukturen.

Das Team rückt in den Fokus

Jetzt wagten die ersten zaghafte Versuche mit neuen Ansätzen, wie Partnerarbeit oder Gruppenarbeit. Die Bänke und Tische wurden von einigen jungen Kollegen in Gruppen bzw. einem Hufeisen zusammengestellt, was von den erfahrenen Kollegen nicht unbedingt für sinnvoll und gut befunden wurde. Denn die Schüler sollten nach vorne schauen, vor allem zuhören, vorlesen und abschreiben. Stilles Sitzen galt als die bewährte und wünschenswerte Haltung eines vorbildlichen Schülers.

Die neuen Lehrpläne, die zur Zeit eingeführt werden, verlangen von Schülern und Lehrern Kompetenzerwerb, offene Lernformen, Arbeit im Team, Gestaltung von Projekten, eigenständiges Einholen von Informationen, Ergebnisse präsentieren, digitale Medien beherrschen, Kritikfähigkeit, Berufsorientierung, Lernen in der Lebenswirklichkeit, die Aneignung sozialer Kompetenz, aber auch Meinungs- und Wissensaustausch und vieles andere mehr. Starre, ständig sich wiederholende Abläufe, ohne sich aktiv in den Lernprozess einbringen zu können, müssen der Vergangenheit angehören.Eine neue Dimension des lebenslangen Lernens, nicht mehr in erster Linie Wissensvermittlung, steht im Vordergrund; gefragt ist die Fähigkeit, Lerninhalte auf neue Gebiete zu übertragen und mit anderen Wissensbereichen zu verknüpfen.

Lernlandschaften gestalten

Die Lernumgebung muss ein Übungsfeld für differenzierte Wahrnehmung darstellen und über vielseitige Handlungsmöglichkeiten vernetztes Denken fördern. Die meisten Schulanlagen sind dafür zu unstrukturiert, zu wenig offen und zu lebensfremd.

Deshalb war es dem damaligen Schulleiter Gerhard Götzl, seit dem Schuljahr 2008/09, als die Renovierungsarbeiten und Umbaumaßnahmen begannen, gemeinsam mit seinem Kollegium ein vorrangiges Anliegen, das Gebäude so umgestalten zu lassen, dass es auf lange Sicht den Erfordernissen modernen Unterrichtens genügen kann.

Die skandinavischen Länder, aber vor allem auch unser Nachbarland Österreich, sowie das italienische Südtirol sind uns hierin weit voraus. Aufgrund zahlreicher Informationsbesuche vor Ort, Einsicht in ausländische Fachliteratur, reifte die Überzeugung – das Schulhaus soweit bautechnisch nachträglich möglich – nach dem Prinzip der „Lernlandschaften“ umgestalten zu lassen.

Hinsichtlich der Lernmethoden und der Didaktik erhält die Gestaltung von Lernräumen dadurch ein besondere Bedeutung. Flexible Möblierungskonzepte, eine hoch funktionale Medienintegration, sowie ergonomische Einrichtungslösungen, die ein ganzheitlich inspirierendes und kreativitätsförderndes Lernumfeld schaffen sind unabdingbare Voraussetzung.

Der derart gestaltete Raum wird zum zusätzlichen Lehrer, die bedarfsgerechte Einrichtung wird entsprechend wichtig für die anzustrebenden Lernerfolge.

Studien zeigen, wie dadurch das Lernverhalten von Schülern langfristig positiv beeinflusst wird, die Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit bei Schülern nachweislich ansteigen.

Der Lehrer als Moderator

Der Lehrer erhält eine neue Rolle im Lernprozess, er wird zum Lernbegleiter, er nimmt zunehmend die Rolle eines Moderators ein, der motiviert, anleitet, organisiert, als aktiv zuhörender Helfer für den einzelnen Schüler präsent ist.

Dazu bedarf es multifunktionaler Zonen in einer Schule. Somit haben in unserem umgestalteten Haus die meisten Klassenzimmer zusätzliche, angrenzende Nebenräume mit Sichtfenstern bzw. Teile des Flurs können als Lernumgebung einbezogen werden. Es entstehen Zonen für Einzel- und Gruppenarbeit zur Beschäftigung in weitreichenden Differenzierungsmaßnahmen.

Digitale Medien & Ergonomische Einrichtung

In jedem Klassenzimmer befindet sich ein interaktives White – Board mit Dokumentenkamera, an den Wänden gibt es abnehmbare Schiebetafeln. Kreidetafeln gibt es in den Klassenzimmern gar nicht mehr. Die Verkabelungen und Anschlüsse lassen eine Nutzung des Raumes in jede Richtung zu. Leicht bewegliche Dreieckstische mit Rollen in Kombination mit Einzelstühlen erlauben eine rasche Neuausrichtung der Unterrichtssituation auf die jeweils aktuellen Bedürfnisse. Da alle Tische und Stühle gleich sind, können sie nahezu unbegrenzt, flexibel kombiniert werden.Die Stühle in den Zimmern besitzen eine einheitliche Höhe, für die kleineren Schüler gibt es einklemmbare Fußraster. Dadurch sitzen, trotz oft sehr unterschiedlicher Körpergröße bereits in den unteren Klassen, alle Schüler auf Augenhöhe.Zusätzlich stehen für spontane Umgruppierungen leicht bewegliche Rundhocker zur Verfügung, die aufgrund ihrer gewollten Instabilität die Muskeln entlasten und dem Bewegungsdrang der Kinder störungsfrei Rechnung tragen. Fest eingebaute Wandsysteme aus Regalen und Schüben bieten Ablageraum für Materialien und persönliche Gegenstände der Schüler.